Japan Jin Shin Jyutsu

Jin Shin Jyutsu® und Vedanta

Jin Shin Jyutsu® – Mary Burmeister: „I am not the doer“

Jin Shin Jyutsu® und Vedanta: What Mary says – S. 8 – „I am not the doer“ – Übersetzung von Matthias Roth – „Ich bin nicht der Tuer“ – S. 7. „Ich bin nicht der Tuer“ – so übersetzt Matthias Roth Mary’s Aphorismus „I am not the doer“. Um die Tiefe der Aussage besser verstehen zu können, ist die Übersetzung „Ich bin nicht der Handelnde“ wahrscheinlich besser geeignet.

Was möchte uns diese tiefe Weisheit, dieser Aphorismus sagen?
Wenn wir uns strömen oder wenn wir andere Personen strömen, dann ist die Aussage für die meisten Menschen wahrscheinlich offensichtlich. „Ich bin nicht der Handelnde“ – bedeutet hier, dass ich zwar das Starthilfekabel gebe, aber die Energie, die Heilung, der Segen usw. nicht von mir persönlich kommt, sondern von dem Schöpfer, von Gott oder vom Göttlichen. Und so kann ich mich selbst als Werkzeug betrachten, bin jedoch nicht der Handelnde, also derjenige, aus dem originär die Energie und die Heilung kommen. Alles kommt vom Schöpfer, von Gott, vom Göttlichen.

Die Aussage „Ich bin nicht der Handelnde“ lässt sich von der Jin Shin Jyutsu-Session auf das gesamte Leben übertragen. Auch im Alltagsleben, in jeder Situation meines Lebens bin „ich“ nicht der Handelnde. Wie kann das sein?

Vedanta

Jin Shin Jyutsu® und Vedanta: Um diesen Aphorismus besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, sich ein wenig mit einem Teil der indischen Philosophie – dem sogenannten Vedanta – zu beschäftigen. Vedanta ist Sanskrit – eine altindische Sprache – und setzt sich aus zwei Worten zusammen: veda und anta – das Wissen und das Ende. Hieraus lassen sich zwei Bedeutungen ableiten:

  1. Dieses Wissen steht in den Veden – das sind altindische Schriften. Es gibt insgesamt vier Veden. Jede Vede wiederum setzt sich aus vier Teilen zusammen: die ersten drei Teile beinhalten Gesänge, Mantras, Beschreibungen von Ritualen usw., die benutzt werden können, um etwas bestimmtes in dieser Welt zu erreichen. Es wird eine bestimmte Handlung ausgeführt, um so Erfolg, ein langes Leben, Wohlstand, einen passenden Partner, eine passende Partnerin, Kinder usw. zu erreichen/bekommen. Es wird genau beschrieben, welche Handlung notwendig ist, um ein bestimmtes Ergebnis zu erhalten. Der vierte Teil der Veden und somit das Ende der Veden sind die Upanishaden – der philosophische Teil. Hier geht es nicht darum etwas zu bekommen, sondern zu verstehen: wer bin ich? Wo komme ich her? Wer oder was ist Gott? etc.
  2. Wenn ich dieses Wissen aus den Upanishaden erlangt/verstanden habe, dann gibt es darüber hinaus nichts mehr zu wissen. Dann hat das Suchen nach der Wahrheit ein Ende. Und so ist es das Ende nach der Suche nach Wissen. Wie kann Vedanta behaupten, dass sei das Ende, das sei das letztendliche Wissen?
Bhagavad Gita

Die Quellen von Vedanta sind u. a. die Upanishaden – der vierte Teil der Veden – und vor allen Dingen die Bhagavad Gita. Die Bhagavad Gita ist Teil eines der größten Epen der Menschheitsgeschichte: die Mahabharata. Die Bhagavad Gita besteht aus einem Dialog zwischen Krishna – Krishna gilt im Indischen als 8. Inkarnation von Vishnu und somit als direkte Herabkunft des Göttlichen in der Welt – und Arjuna, einem Menschen mit herausragenden Fähigkeiten. Im Verlaufe des Dialogs offenbart Krishna Arjuna detailliert das ganze Wissen über Gott und die Schöpfung. Diese Offenbarung wird als „Teaching“ bezeichnet und ist ein Weg, um zur Realisierung seines Selbst – herkömmlich als Erleuchtung bezeichnet – zu kommen. Tat tvam asi – das bist du. „Das“ steht hier für das Göttliche, für das unendliche Bewusstsein. Du bist das Göttliche – du bist das unendliche Bewusstsein, aus dem alles entsteht. Welche Botschaft könnte großartiger oder umfassender sein als diese? Und so sagt Vedanta, es gibt kein Wissen mehr zu wissen, als dieses Wissen „das bist du“. Das ist somit das Ende allen Suchens nach der Wahrheit.

Atman

Der wahre Kern eines jeden Menschen ist nicht sein Körper, auch nicht sein Geist – also seine Gedanken und Emotionen und auch nicht sein Energiefeld/Aura. Der wahre Kern des Menschen wird im Sanskrit als Atman bezeichnet. Atman wird im Deutschen als Selbst übersetzt. Übersetzungen führen oft zu (falschen) Interpretationen und deswegen ist es sinnvoller von Atman zu sprechen. Atman wird beschrieben als sat-chid-ananda – als reines Sein – als Bewusstsein und Glückseligkeit. Atman ist ewig, unveränderlich, immer frisch, ohne Anfang und ohne Ende und handelt nicht. Es gibt Milliarden von Menschen mit Körper, Geist und Aura. Aber es gibt für all diese Menschen nur ein Atman – nur ein Bewusstsein. Dieses Bewusstsein wird beim Individuum Atman genannt und auf der universellen/totalen/höchsten Ebene Brahman. Atman und Brahman sind eins – ewig und unveränderlich – nicht handelnd. Alles ist eins – alles was im Universum und darüber hinaus existiert oder ist – ist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein ist die Quelle für alles was entsteht, besteht und wieder vergeht – für alles Sein – für alle Menschen – für die gesamte Natur. Und dieses Bewusstsein ist eins, unteilbar, unzerstörbar, ewig, unveränderlich, immer neu, immer frisch, ohne Anfang und ohne Ende.

Aufgrund der begrenzten Sichtweise des Individuums hält sich das Individuum für klein, einsam, abgetrennt von allem anderen und letztlich für das Individuum. Die begrenzte Sichtweise entsteht aus Unwissenheit. Der Mensch hat vergessen, wo er herkommt, wer er wirklich ist usw. Und so identifiziert sich fast jeder Mensch mit seinem Körper, mit seinen Gefühlen und Gedanken und meint er sei der Körper, die Gedanken und die Gefühle. Daraus entsteht auch das Gefühl von „ich bin der Handelnde“, da ich mich als Individuum erlebe.

Jin Shin Jyutsu® und Vedanta: Das Ziel von Vedanta ist es, diese falsche Sichtweise des Individuums über sich selbst zu beseitigen. Das wahre Wesen eines jeden Menschen ist Atman: ewig, unsterblich, nicht handelnd. Auf dieser Basis wird die tiefe Bedeutung des Aphorismus von Mary „I am not the doer“ verständlicher.

Handlungen

Wieso gibt es dennoch so viele Handlungen auf der Welt? So wie das Universum konstruiert ist, ist jedes Individuum, welches sich als Individuum und nicht als Atman begreift, zum Handeln gezwungen. Essen, schlafen, arbeiten, ausruhen, etc. all das sind Handlungen, die wir tagtäglich ausführen. Der Weise handelt ebenfalls, aber er weiß, dass er nicht der Handelnde ist und wird so frei von den Erwartungen an die Ergebnisse, die wir alle mit Handlungen verbinden. Das macht den Weisen frei. Handlungen als solche basieren auf den Grundeigenschaften des Universums, die im Sanskrit als Gunas bezeichnet werden – sattva (Reinheit), rajas (Aktivität) und tamas (Trägheit). Diese Grundeigenschaften der Urnatur, des Universums veranlassen uns, immer wieder zu handeln. Das bedeutet, dass die Urnatur, das Universum Handlungen hervorruft, die die einzelnen Individuen – auch der Weise, der Erleuchtete – ausführen. Der Unterschied zwischen einem Individuum und einem Weisen besteht nur darin, dass der Weise nicht an seine Handlungen gebunden ist, da er weiß, dass er nicht der Handelnde ist. Ein Individuum möchte mit seinen Handlungen bestimmte Resultate erreichen: Geld, Sicherheit, Status usw. Mit jeder Handlung ist eine bestimmte Absicht, etwas zu erreichen, verbunden. Tritt das gewünschte Ergebnis ein, dann bin ich glücklich. Tritt das Ergebnis nicht ein, dann bin ich unglücklich, wütend, ärgerlich, deprimiert, frustriert etc. Wir schreiben unser Glück äußeren Objekten zu. Wenn ich das Haus, das Auto, das Handy gekauft habe, dann bin ich glücklich. Wenn ich erst stellvertretender Abteilungsleiter, schwanger, Rentner(in) bin, dann bin ich glücklich. So machen wir uns von äußeren Faktoren und Objekten abhängig. Wir suchen das Glück im Außen. Vedanta sagt, Glück liegt letztlich nicht im Außen, sondern du bist/ich bin Glückseligkeit. Atman wird – siehe oben – u. a. mit Glückseligkeit beschrieben. Diese Glückseligkeit suchen wir immer wieder aufs Neue im Außen, sind es jedoch bereits (in unserem wahren Kern). Das haben wir über alle Inkarnationen und/oder in diesem Leben vergessen.

„I am not the doer“ führt mich also zur Frage nach mir Selbst – wer bin ich wirklich? Wenn ich nicht der Handelnde bin, wer bin ich dann? Ich bin das Ewige, das Unendliche, das Bewusstsein in und hinter allem.

Quellen

Lynne Pflueger und Michael Wenninger – „What Mary says, …“ – Eine Zitatesammlung von Mary Burmeister
Swami Dayananda Saraswati – Bhagavad Gita – Home Study Course – Volume 1 – 9

Textautor

Holger Stockinger – Jin Shin Jyutsu® – Practitioner
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