Daoismus

Daoismus – eine Übersicht

Überblick

Daoismus – eine Übersicht: Der Daoismus, der Buddhismus und der Konfuzianismus können als die drei großen Lehren Chinas bezeichnet werden. Sie sind u. a. Philosophien, „Religionen“, Lebenseinstellungen oder Sichtweisen auf das Leben und den Ursprung des Lebens. Die Umschrift „Daoismus“ ist eine heutige gängige Form (eine andere Umschrift: Taoismus).

Das Dao – 道 – ist die Urquelle des Lebens, des Universums. Das Ziel des Weisen ist es, im Einklang mit dem Dao zu leben; eins mit dem Dao zu werden.

Wesentliche Begriffe im Daoismus: Dao – de – wuwei

Dao –

Die Schwierigkeit im Verständnis des Dao liegt meiner Meinung nach in dem chinesischen Schriftzeichen begründet, welches das Dao darstellt. Das Schriftzeichen enthält mehrere Bestandteile. Der vordere Bestandteil ist ein Piktogramm für einen Menschen in Bewegung und hat somit mit gehen zu tun. Das gesamte Zeichen kann somit als „Weg“, „Pfad“ usw. übersetzt werden. Wir alle bewegen uns auf einem Weg zu etwas hin, z. B. zu einer höheren Wirklichkeit, zu unserem wahren Selbst, zu unserem wahren Sein. Jeder Mensch ist auf seinem eigenen, persönlichen Pfad in seinem Leben unterwegs. Der Mensch mag tatsächlich in Bewegung sein; das Dao jedoch ist ohne jegliche Bewegung, ohne Veränderung; es ist das Ewige, Unvergängliche, das was ohne Anfang und Ende ist. Es ist die höchste Wirklichkeit und Wahrheit aus der alles – das Universum – entsteht.

Das Universum, das Mysterium wird aus den zwei polaren Kräften Yin und Yang gebildet. Diese Kräfte sind in ständiger Bewegung und in ständiger Veränderung, so dass alles was das Universum ausmacht, dem ständigen Wandel unterlegt. Es gibt bestimmte Gesetzmäßigkeiten, denen Yin und Yang unterliegen. Eine Vorstellung im Daoismus ist, dass alles aus dem Dao entsteht und von daher im Kern alles eins ist, auch wenn es in abertausenden von Dingen in der materiellen Welt erscheint. Da alles eins ist, gibt es das De, welchem der Weise folgen sollte bzw. folgt.

De –

Die deutschen Begriffe Tugend und Ethik beschreiben nur ein Teil der Bedeutung des De. Tugend impliziert, dass es einer aufrichtigen Charaktereinstellung im Leben bedarf. Ethik verweist darauf, dass es eine Grundordnung im Universum gibt und dass jeder Mensch deswegen ein moralisch einwandfreies Leben führen sollte. Der chinesische Begriff De kommt wahrscheinlich ursprünglich von dem Sanskrit – Wort „dharma“. „Dharma“ hat viele Konnotationen. Es bedeutet sowohl Ethik als auch Tugend. Aber auch die im Universum innewohnende Grundordnung. Und was ist diese innewohnende Grundordnung? Alles ist eins – und wenn alles eins ist – ist jedes Handeln im Geist, Wort oder Tat gegen ein anderes Lebewesen oder gegen die Natur adharmisch, also im Widerspruch zu Dharma. De ist im weitesten Sinne, im daoistischen Sinne, das Leben im Einklang und Harmonie mit dem Dao bzw. mit dem Universum und seinen polaren Kräften von Yin und Yang.

Wuwei – 無為

Daoismus – eine Übersicht: Wuwei ist das höchste Prinzip nachdem ein Weiser (im Daoismus) in diesem Universum lebt und handelt. Es setzt sich aus wu – „nicht“ und wei – „handeln“, „tun“, „machen“ zusammen. Daraus ergibt sich „nicht Handeln“. Doch kann ein Mensch nicht handeln? Jede Tat, jedes Tun oder auch jedes scheinbar nichts tun wie schlafen, einfach nur da sitzen, dösen usw. ist eine Handlung. Also ist es offensichtlich, dass ein Mensch nicht einfach nicht handeln kann.

Was ist dann damit wirklich gemeint?

Diese Frage lässt sich auf zwei Ebenen beantworten. Die eine Ebene ist die Ebene, die den meisten Artikeln, Büchern usw. entnommen werden kann: dass es um ein Handeln ohne Intention geht, um ein anstrengungsloses Handeln, ein Handeln im Einklang mit dem großen Mysterium (dem Universum) und somit ein Handeln im Einklang mit De.

Handeln im Einklang mit De ist Handeln unter Berücksichtigung des großen Ganzen; also nicht nur ein Handeln für das eigene Wohl, sondern Handeln für das Wachstum möglichst vieler oder sogar von allem. Dann wird es zu einem anstrengungslosem Handeln, da das Universum als solches ebenfalls ein „Lebewesen“ ist. Wenn ich im Einklang mit diesem großen Mysterium bin, dann werden alle meine Handlungen gefördert und es gibt (eventuell – wer kann das schon garantieren) wenig bis kaum Widerstände in der (physischen) Welt. Handeln ohne Intention bedeutet ein Handeln ohne die Absicht, nur meine eigenen Interessen durchzusetzen. Das ist meines Erachtens nur ein Aspekt von dem was wirklich gemeint ist.

Verbindung von Daoismus – wuwei mit Vedanta – chaitanya

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass Wuwei die chinesische Entsprechung der vedantischen Vorstellung von aham akarta – ich bin nicht der Handelnde – ist. Es geht hierbei nicht darum, die Verantwortung für den freien Willen und das eigene Handeln bei Seite zu schieben. In den drei Welten (physisch, astral und kausal) – also in unserer „Realität“ – bin ich vollständig verantwortlich für mein Handeln in Gedanken, Worten und meinem physischem Tun. Das Dao – im Vedanta als Brahman, Atman oder chaitanya bezeichnet – jedoch ist völlig unabhängig von diesen drei Welten; im Gegenteil es ist das, was erst unsere Welt, unser Universum, alles Leben usw. ermöglicht. Da das Dao u. a. unveränderlich, unbeweglich, ewig, absolut, ohne Anfang und Ende ist, gibt es keine Handlungen. Mein wahrer Kern, mein wahres Selbst, was dem Dao entspricht, ist somit ohne Handlungen – ich bin nicht der Handelnde – wuwei. Weitere Erläuterungen – siehe auch Blogartikel – Jin Shin Jyutsu® und Vedanta

Quellen und Schriften des Daoismus

Daoismus – eine Übersicht: Das I-Ching, die YinYang Schule, das Daodejing, das Zhuangzi und das Daozang sind einige Quellen und alte Schriften des Daoismus. Laotse und Zhuangzi sind zwei seiner bedeutendsten Vertreter.

I-Ching

Das I-Ching – das Buch der Wandlungen – ist eines der ältesten klassischen chinesischen Texte, welches ca. um 1150 v. Chr. / 1.000 v. Chr. verfasst wurde. Es beschreibt 64 verschiedene Hexagramme. Hexagramme sind eine Anordnung von sechs übereinander liegenden Linien, die entweder unterbrochen/Yin oder durchgezogen/Yang sind. Diese 64 Hexagramme stellen im Menschen innere Zustände oder äußere Zustände in der Welt dar. Diese Zustände sind beständig im Wandel, da die Welt sich in einem beständigen Wandel befindet. Das I-Ching kann helfen, den inneren und/oder äußeren Wandel zu erkennen und so in den Einklang mit dem Wandel zu kommen. Von daher ist das I-Ching ein Orakel-Buch, da es einen jetzigen Zustand beschreiben kann und ebenso mögliche Tendenzen zur Wandlung in der (nahen) Zukunft. Die daoistische Sichtweise besteht hier darin, zum einen Wandlungen als solche als natürlichen Bestandteil des Universums anzusehen. Zum anderen ist es das Bestreben, in den Einklang mit dem Wandel zu kommen und zu sein; also wie so schön gesagt wird „im Fluss zu sein“. Jedoch gleichzeitig das dahinterliegende unveränderliche Dao im Herzen zu bewahren.

YinYang Schule

YinYang Schule – auch: Schule der Naturalisten – 4. Jahrhundert v. Chr. -, die das Universum als ein Zusammenspiel zweier polarer Grundkräfte (Yin und Yang) sowie der 5 Elemente bzw. 5 Phasen in Form von Feuer, Wasser, Holz, Metall und Erde erklärt.

Daodejing

Das Daodejing – der Leitfaden über das Dao und das De – ist der klassische Text des Daoismus. Dieser Text wird traditionellerweise Laotse zugeordnet. Zumindest werden die in dem Buch enthaltenen Lehren Laotse zugeschrieben. Dieser Leitfaden ist um das 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden. Er enthält zwei Teile – eine Erläuterung des Dao und eine Erläuterung des De.

Laotse

Laotse – je nach Umschrift auch Lao Tzu – alter Meister – hat wahrscheinlich ca. 6. v. Chr. / 4. v. Chr. in China gelebt. Er ist einer der großen Daoisten, der großen Weisen im Daoismus.

Zhuangzi

Zhuangzi – Meister Zhuang – ist ein weiterer großer Weiser im Daoismus, der um ca. 4. Jahrhundert v. Chr. in China gelebt haben soll. Zhuangzi jedoch ist nicht nur der Name des großen Meisters, sondern auch der Name einer daoistischen Schrift, die Meister Zhuang zugeschrieben wird. Das Zhuangzi ist eine große Sammlung von Anekdoten, Parabeln und Mythen, in denen es darum geht, der Natur zu folgen (dem Dao) und eins mit der Natur (dem Dao) zu werden. Die Parabel „der Traum des Schmetterlings“ z. B. ist ein bekannter Text aus dieser Schrift.

Daozang

Das Daozang daoistischer Kanon/daoistische Sammlung – ist eine Sammlung von rund 1.400 daoistischen Texten, die daoistische Mönche um 400 n. Chr. zusammengetragen haben. Die Idee war, alle zu dieser Zeit existierenden Texte inklusive der Kommentare zum Daodejing und Zhuangzi zusammenzubringen. Darüber hinaus entstehen in späterer Zeit weitere Sammlungen von daoistischen Texten.

Daoismus – eine Übersicht: Das Daozang wird in 3 Teile gegliedert – in 3 Höhlen (洞; englisch: grottoes), die den 3 Stufen der Initiation eines daoistischen Meisters entsprechen. Die unterste Stufe ist „Exorzismus“, welches mit dem Spirit (神 – das Göttliche, Gott, die Götter; auch das oberste Dantian: Geist, Seele) korrespondiert. Der Spirit, der Geist wird auch dem Herzen zugeordnet. Was bedeutet nun Exorzismus? Exorzismus ist Austreibung und zwar Austreibung bei einer Besetzung der eigenen Person, des eigenen Geistes, der eigenen Aura durch einen Geist einer verstorbenen Person (dieser verstorbene Geist wird im Sanskrit als preta bezeichnet). Ebenso können schwarze Magie oder Flüche durch andere Personen beseitigt werden. Die mittlere Stufe der Initiation ist das Ritual/das Geheimnis oder auch das Mysterium (玄- auch der Ursprung). Die höchste Stufe bildet die Meditation/die Authentizität (眞 – Wahrheit, das Wahre). Durch Meditation wird das wahre Wesen, das höchste Selbst oder auch die höchste Wahrheit erkannt.

Deutung der 3 Stufen der Initiation

Meines Erachtens können die drei Stufen der Initiation aus heutiger Sicht folgendermaßen gedeutet werden. Die erste Stufe ist die Erlangung eines reines Herzens und somit eines reines Geistes; das bedeutet, dass im Einklang sein mit dem De. Außerdem geht es um die Befreiung jeglicher Überlagerung von anderen Menschen oder Wesen, um so die eigene Persönlichkeit voll zum Ausdruck zu bringen. Ist dies erreicht, kann das große Mysterium besser verstanden werden. Das große Mysterium ist das Universum mit all seinen Erscheinungsformen und das Wissen über den Ursprung des Universums (2. Stufe). 玄 hat u. a. mit Mystik zu tun und mit dem letztlichen Ursprung der Dinge. Wenn das Universum in seinem Ursprung erkannt wird, dann kann u. a. durch Meditation die höchste Wahrheit, das höchste Wahre begriffen werden (3. Stufe). Das höchste Wahre, das was hinter dem Mysterium (dem Universum) liegt, ist das Dao, der Ursprung aller Dinge.

Verbindung von Daoismus mit anderen chinesischen Traditionen

  • Martial Arts – Kampfkünste – ebenso Gesundheitslehre – QiGong – als waidan und neidan
  • Neidan bedeutet wörtlich „inneres Feld“; Waidan ist das „äußere Feld“. Schon immer haben Menschen durch verschiedene Methoden versucht, die Geheimnisse des Körpers herauszufinden; die Gesundheit zu fördern; Energien im Körper auf bestimmte Art und Weise zu lenken und das eigene Leben zu verlängern. Diese Vorgänge werden auch als Alchemie bezeichnet. Externe Alchemie im weiteren Sinne war das Bestreben, ein Metall in ein anderes Metall – vor allen Gold – zu verwandeln. Waidan im engeren Sinne ist die Veredlung des Körpers u. a. durch Martial Arts – Kampfkünste – und QiGong im weichen Stil als Meditation in der Bewegung. Neidan, die innere Alchemie ist das Wissen um die Körperenergien – vor allen Dingen der 3 Dantian (Jing, Qi und Shen) -, das Lenken dieser Energien und deren Veredlung. Neben der Verlängerung des Lebens gibt es auch die Idee der Schaffung eines unsterblichen spirituellen Körpers (z. B. in Lü Dongbin „Das Geheimnis der goldenen Blüte“ beschrieben).(Einschätzung: bestimmte Techniken aus diesem Buch sind sicherlich super interessant und wirksam z. B. der kreisförmige Atem; m. E. erschafft diese Technik einen stabilen Astralkörper, eine Art zusätzliche Aura, die zwar in den drei Welten Bestand hat jedoch nicht im ewigen Dao, da das Dao reines Bewusstsein ist)
  • chinesische Astrologie
  • Chan (japanisch: Zen) Buddhismus
  • traditionelle chinesische Medizin
  • Feng Shui – 風水 (alte Schriftweise) 风水 (neue Schriftweise) – die Lehre von Wind und Wasser

Übersicht chinesische Schriftzeichen in alphabetischer Reihenfolge

Dantian – 丹田
Dao – 道
Daodejing – 道德经
Daozang 道藏
De – 德
Drei Lehren (Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus) – 三敎
I-Ching – 易經
Laotse – Lao Tzu – 老子
Neidan – 內丹(术)
Yin-Yang-Schule – 阴阳家; alte Schriftweise: 陰陽家
Waidan – 外丹
Zhuangzi – 莊子

Quellen

Swami Dayananda Saraswati – Bhagavad Gita – Home Study Course – Volume 1 – 9
wadoku.de – japanisch-deutsches Wörterbuch
Wikipedia – englisch

Daoismus – eine Übersicht

Daoismus - eine Übersicht -Taiji-Symbol - das Dao und das De
Taiji-Symbol